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Director's Note

Die Idee zu einem Film über den Künstler Gerhard Richter entwickelte sich während meiner Arbeit an einer Dokumentation über die Entstehung seines 23 Meter hohen Südfensters für den Kölner Dom. Es war das erste Filmprojekt, dem Richter zustimmte, nachdem er fünfzehn Jahre alle Anfragen abgelehnt hatte.

„Über Malerei zu reden, hat keinen Sinn“, hat Richter schon 1965 gesagt und auch später oft wiederholt. Es steht nicht wirklich im Widerspruch dazu, dass er vor kurzem ein 600 Seiten starkes Buch mit Notizen und Interviews veröffentlicht hat. Wenn es darum geht, sich in Worten auszudrücken, zieht Richter die schriftliche Form vor. Und mir wiederum war klar, dass ein Film über einen Maler vom Malen handeln muss. Was mich am meisten interessierte, war die Arbeit im Atelier. Die Gegenwart. Der genuine Prozess, Farbe auf eine Leinwand zu bringen. Die Instrumente, Gesten, Bewegungen, die emotionalen wie die motorischen.

„Malen ist sowieso eine heimliche Angelegenheit,“ sagte Richter zu Beginn der Dreharbeiten. Da er fast immer allein arbeitet, stellte sich uns die Frage, ob er die Gegenwart eines Filmteams über Wochen und Monate aushalten würde. Meine Aufgabe war es, einen psychischen Raum zu schaffen, ein, wie Thomas Bernhard es einmal nannte, ‚ideales Distanzverhältnis’ zu etablieren, so dass wir zu viert – er und unser kleines Team – in diesem nahezu leeren Atelier sein und jeder seine Arbeit tun konnte. Er malen, wir filmen. Die Hauptdrehzeit zwischen April und September 2009 war ein einmaliger Glücksfall, ein Geschenk und auch ein Prozess, der hin und wieder von Krisen unterbrochen wurde. Der Zweifel, der sein Malen ständig begleitet, gehört nicht nur zu Gerhard Richters skeptischer Weltsicht, er ist auch Motor des Malaktes. So wird der Rakel, mit dem er die komplexen Farbschichten aufträgt und abkratzt, zu einem Instrument des Widerspruchs und der Selbstbehauptung. Sicher hat Richters seltene Fähigkeit, den Status Quo in Frage zu stellen und gleichzeitig Kontinuität und Zuverlässigkeit an den Tag zu legen, sein überragendes, reiches Werk ermöglicht.

Und während wir dem Maler bei der Arbeit zuschauten, wurden wir selbst von diesem Prozess erfasst, sahen Bilder entstehen und verschwinden und mussten, wie die Bilder, den Zweifeln des Künstlers standhalten. Auf dem Weg entstanden Gespräche von großer Aufrichtigkeit, in denen Richter über seine Arbeitsweise und seinen Werdegang spricht.

Der Film, für den wir den Maler über drei Jahre begleitet haben, lässt den Zuschauer teilhaben an dem empfindlichen künstlerischen Prozess von Machen, Betrachten, Urteilen, Zerstören, Machen, Warten, Zeigen...
(Corinna Belz, Juni 2011)

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